Erfahrungsberichte / Portraits

„Ich hätte oft mehr Rat gebraucht“

Lea, 13 Jahre, Schülerin, ein kleiner Bruder (9)

Als ich 10 war, wurde bei meiner Mutter Brustkrebs diagnostiziert. Das war vor 2 ½ Jahren, Anfang 2007. Die Frauenärztin hatte damals gesagt: Da ist etwas nicht in Ordnung. Und nach genauerer Untersuchung wurde dann Krebs festgestellt.

Als meine Eltern mir davon erzählt haben, dachte ich im ersten Moment bloß: „Oh mein Gott, hoffentlich geht das gut.“ Man hört von Krebs ja schon so einiges, und der erste Gedanke ist: dann muss man sterben.

Ich konnte mir gar nicht richtig vorstellen, was da gerade mit meiner Mutter passiert. Meine Eltern haben mir dann vieles erklärt. Es ist nicht so einfach für eine 10jährige, das alles zu verstehen. Ein Arzt hat mir das, was ich noch nicht begriffen hatte, später noch genauer erklärt. Das war gut.

Meine Mutter lag eine Woche im Krankenhaus und wurde insgesamt dreimal operiert. Während dieser Zeit hat mein Papa sie oft besucht, ich selber war zwei Mal bei ihr, und wir haben darüber geredet, wie es ihr geht. Während meine Mutter weg war, hat mein Vater weiter gearbeitet. Mein Bruder und ich haben sehr viel im Haushalt geholfen, auch weil mein Vater uns darum gebeten hat. Ich habe mich manchmal allerdings ziemlich alleine und hilflos gefühlt und hätte oft mehr Rat gebraucht. Mein Patenonkel hat sich sehr zurückgezogen; das hat mich überrascht. Aber meine Patentante war immer für mich da; ich habe oft mit ihr telefoniert. Außerdem ist ihre Tochter meine beste Freundin.

Meine anderen Freunde waren auch sehr lieb und haben versucht, mir zu helfen. Aber niemand hat gefragt, wie es MIR mit der ganzen Sache geht. Es ging immer nur um meine Mutter und wie es IHR geht. Das hat mich etwas enttäuscht. Mir ging es zu dieser Zeit nicht sehr gut. Ich habe viel geweint, auch in der Schule, und wenn dann jemand nach meiner Mutter gefragt hat, kamen die Tränen sofort hoch.

Meine Hobbies waren eine gute Ablenkung. Dabei musste ich nicht so viel an die Krankheit denken und konnte mich auf andere Dinge konzentrieren. In der Schule habe ich mich wieder mehr angestrengt, damit meine Mutter sich über gute Noten freuen konnte, wenn sie nach Hause kommt.

Nach den Operationen kamen Chemotherapie und Bestrahlungen. Die Chemo hat Mama ganz schön geschafft. Sie lag oft im Bett und hatte nicht viel Kraft. Dass sie keine Haare mehr hatte, war zwar nicht so schön, aber sie hat dann oft Mützen oder Kappen getragen. Das war total in Ordnung.

Als der Krebs weg war, war das eine große Erleichterung. Bei jeder Mammographie drücken wir jetzt die Daumen, und wenn alles gut ist, sind wir sehr glücklich. Trotzdem habe ich manchmal Angst, dass der Krebs wiederkommt.

Ich habe das Gefühl, dass wir alle uns besser verstehen, seit meine Mutter wieder gesund ist. Natürlich streiten wir uns auch oft (besonders mein Bruder und ich), aber durch den Krebs sind wir in der Familie stärker zusammengewachsen. Und meine Mutter und ich – wir sind ein sehr gutes Team!